Rückblick auf den Literaturgottesdienst am 06. November 2021

Am Samstag, den 6. November 2021 hatte der Ausschuss für Erwachsenenbildung und Ökumene der evangelischen Kirchengemeinde Urmitz-Mülheim wieder zu einem Literaturgottesdienst, dem zweiten in diesem Jahr, eingeladen.

Der Termin dieses Literaturgottesdienstes wurde nicht zufällig in die zeitliche Nähe zum Gedenken an die Reichspogromnacht vom 9. November 1938 gelegt. Genau in jenem Jahr wurde das Buch, das an diesem Abend vorgestellt wurde, erstmals veröffentlicht: „Adressat unbekannt“ von Kathrine Kressmann Taylor, und es hat einen engen Bezug zur Vorgeschichte der Ereignisse des 9. November 1938. Das Werk „Adressat unbekannt“ ist ein Roman aus 19 Briefen und schildert auf knappem Raum, aber in großer Intensität, im Rahmen dieses Briefwechsels die Entwicklung und Zerstörung einer Freundschaft zu Beginn der NS-Herrschaft. Es geht um die Beziehung zwischen dem Deutschen Martin Schulse und dem amerikanischen Juden Max Eisenstein, die in den USA gemeinsam eine Kunstgalerie betrieben haben. Nachdem Schulse im Jahre 1932 mit seiner Familie nach Deutschland zurückgekehrt ist, setzt der Briefwechsel zwischen den beiden ein, zunächst freundschaftlich, doch bald ändert sich die Tonlage, weil Schulse sich zum bekennenden Nationalsozialisten entwickelt. Daran zerbricht die Freundschaft und das Ende ist dramatisch …

Der Text des Buches wurde von Gunter Frey und Willi Weber, die beide Mitglieder des Seniorentheaters „Junges Gemüse“ von der Untermosel sind, im Wechsel gelesen. Liselotte Frey hatte die Rolle der Briefzustellerin übernommen.

Trotz des schweren Themas waren 32 Menschen gekommen, um sich von der eindrucksvollen Lesung berühren und zum Nachdenken anregen zu lassen. Der Literaturgottesdienst wurde von Pfarrerin Marina Stahlecker-Burtscheidt geleitet, die den Text aus christlicher Sicht und mit Bezug zur Gegenwart interpretierte. Der Gottesdienst wurde musikalisch einfühlsam von Kirchenmusiker Oliver Hentze und der jungen Violinistin Anastasia Kalter begleitet, die thematisch passende Stücke ausgewählt hatten, u. a. die Musik aus dem Film „Schindlers Liste“.

Erstmals seit langer Zeit bat die Kirchengemeinde im Anschluss an den Literaturgottesdienst wieder zu einem gemütlichen Beisammensein bei Wein, Brot und Käse, selbstverständlich unter Beachtung der erforderlichen Corona-Schutzmaßnahmen. Die meisten Gottesdienstbesucherinnen und -besucher nahmen diese Gelegenheit gerne wahr, um wieder einmal gemütlich zusammen sitzen und sich über das Buch, aber auch viele andere Themen austauschen zu können.

Auch im neuen Jahr plant der Ausschuss für Erwachsenenbildung und Ökumene wieder Literaturgottesdienste, zu denen rechtzeitig eingeladen werden wird.