Podcast: 10.04.2020

Zeichen auf dem Weg

Ein Mann schickte seine beiden Söhne, Tambu und Rafiki, hinaus ins Grasland, um sich in den Dörfern umzusehen. Er gab ihnen den Auftrag: ,,Hinterlasst Zeichen auf eurem Weg!“ Die beiden Söhne gehorchten dem Vater und gingen hinaus ins Grasland. Nach wenigen Schritten schon begann Tambu Zeichen auf seinem Weg zu machen. Er knüpfte einen Knoten ins hohe Grasbüschel, dann ging er ein Stück weiter und knickte einen Zweig eines Busches. Dann knüpfte er wieder Knoten ins Grasbüschel. So war der ganze Weg, den er ging, voller Zeichen. Er war damit derart beschäftigt, dass er keine Zeit fand für die Menschen, und auch sprach er kaum mit irgendeinem. Ganz anders verhielt sich sein Bruder Rafiki. Er machte keine Zeichen am Weg. Aber im ersten Dorf setzte er sich zu den Männern im großen Palaverhaus, hörte zu, aß und trank mit ihnen und erzählte aus seinem Leben. Im nächsten Dorf schloss Rafiki Kontakt zu einem Jungen. der ihn in seine Familie mitnahm und in die Dorfgemeinschaft einführte. lm dritten Dorf bekam er von einem Mädchen bei der sengenden Hitze einen kühlen Trunk angeboten und durfte das Dorffest mitfeiern. Tambu bekam von alledem nichts mit. Er hatte genug zu tun mit seinen Grasbüscheln und geknickten Zweigen. Als die beiden Brüder nach ihrer Heimkehr dem Vater von ihren Erlebnissen erzählten, machte er sich mit ihnen auf denselben Weg. Überall wurde Rafiki mit seinem Vater herzlich aufgenommen – Tambu jedoch kannte kein Mensch. „Ich verstehe nicht, warum mich keiner kennt“, sagte Tambu alle sind zu Rafiki freundlich, der nichts anderes getan hat als zugeschaut. Kein einziges Grasbüschel hat er geknüpft und wird von allen geschätzt und geehrt.“ Da sagte der Vater: ,,Es gibt noch andere Zeichen als Grasbüschel, mein Sohn. Das sind die Zeichen, die ein Mensch in den Herzen der Menschen hinterlässt, wenn er zu ihnen geht, mit ihnen spricht und ihnen seine Freundschaft zeigt. Solche Zeichen in den Herzen der Menschen bleiben, wenn die Grasbüschel längst von Tieren gefressen oder vom Wind weggetragen sind.“